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Thursday, November 20, 2014

Immer wieder wird über einen erhöhten Wirkstoffgehalt im gehandelten Cannabis gesprochen. Was ist dran an dieser Behauptung?

Wirkstoffgehalt im Cannabis gestiegen
Cannabis Indica
Richtig ist, dass vor drei bis vier Jahren neue Haschisch-Ersatz-Produkte wie "Spice" oder "Maya" auf dem Drogenmarkt auftauchten. Die ungeheuer starke Wirkung dieser Kräutermischungen veranlasste nicht nur das BKA, sondern auch die "Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen- und Drogensucht", ebenso das "European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction" (EMCDDA), sich mit den Inhaltsstoffen – die damals noch nicht verboten waren – auseinanderzusetzen. Bekanntlich kam nach einiger Zeit heraus, dass es sich bei den als Kräutermischungen vertriebenen Produkten in Wirklichkeit um synthetisch hergestellte Cannabinoide handelte. Heute sind die synthetisch hergestellten Cannabinoide weitestgehend bekannt (wie JWH 18,…) und werden regelmäßig im Anhang des BtMGs erfasst.

Gerade das Verbot von traditionell angebautem "echtem" Hanf hat sehr junge unerfahrene Menschen in den Konsum der damals noch erlaubten (weil nicht verbotenen) Kräutermischungen "Spice und Co" getrieben. Die Logik für die jungen Leute zu der Zeit: "Nicht verboten, bedeutet ungefährlich". Da synthetische Cannabinoide wesentlich potenter sein können als das meist bekannte Delta-9-THC, begann an dieser Stelle erstmals eine öffentliche Debatte zu dem Thema "Wirkstoffgehalt im Cannabis". Parallel dazu hört man immer wieder, dass es angeblich gentechnisch manipulierte Hanfsorten gäbe, die einen höheren THC-Gehalt haben als der Hanf, der früher angebaut wurde. Auch diese Lüge hält sich hartnäckig. Es gibt nun mal keinen gentechnisch veränderten Cannabis.

Hochambitionierte Züchter allerdings haben es in den letzten 30 Jahren geschafft, durch gezielte Kreuzung bestimmter Sorten Cannabispflanzen zu züchten, die neben einem hohen Ertrag auch ein recht hohen THC- und CBD-Anteil aufweisen. Das Potenzial einer Cannabispflanze, überhaupt THC zu produzieren, ist in ihrem genetischen Bauplan festgelegt und liegt etwa zwischen 5 und 25 %. Konkret heißt das, genau wie vor 1.000 Jahren, enthält auch heute das Harz in der Blüte einer Cannabispflanze ganz grundsätzlich bis zu 25 % THC. Im Durchschnitt rauchen wir also heute Gras mit einem THC-Anteil von 12 – 17 %. Damals wie heute hat gepresstes Haschisch einen geringeren THC-Anteil. Der sogenannte "Platten-Marok" hat im Durchschnitt einen THC-Anteil von 5 – 10 %. Jeder, der wirklich konkrete Zahlen zu diesem Thema einsehen möchte, kann sich sowohl bei der DBDD als auch bei der EMCDDA informieren.

Für das Jahr 2010 gibt die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) einen durchschnittlichen THC-Gehalt von 8,2 % für Gras und von 6,8 % für Haschisch an (Reitox-Report 2011). Im Vergleich mit den Angaben von 1997 zeigen sich insgesamt nur geringe Veränderungen, wobei der Wirkstoffgehalt des Marihuanas leicht gestiegen und der des Cannabisharzes sogar leicht zurückgegangen ist.«

Gemäß der Studie von P. B. Baker, K. R. Bagon und T. A. Gough, die im Jahre 1980 in der Zeitschrift »Bulletin on Narcotics« (Nr. 1/1980, S. 47-54) erschien, lag der durchschnittliche THC-Gehalt in untersuchten Haschischproben im Jahr 1978 bei 7,9 %. Der höchste Wert (26 %) wurde in einer Haschischprobe aus Indien festgestellt. Vor 30 Jahren wurden in Haschischsorten also ähnlich hohe THC-Gehalte vorgefunden wie in den letzten zehn Jahren. Früher wurde mehr Haschisch als Gras geraucht.

Zu der Frage, ob das heute verfügbare Haschisch abhängiger macht als früher, muss selbst das "European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction" zugeben, im Dunkeln zu tappen:" Aus den nationalen Berichten der Mitgliedstaaten geht hervor, dass die Behandlungsnachfrage wegen Cannabisabhängigkeit vermutlich auf eine Zunahme von Problemen, insbesondere im Zusammenhang mit intensivem Cannabiskonsum, zurückzuführen ist. Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden, dass systematische und vergleichbare Daten über die Probleme von Cannabiskonsumenten weitgehend fehlen." (siehe: http://ar2004.emcdda.europa.eu/de/page109-de.html), interessant ist aber auch die Fachinformation "Wie gefährlich ist Cannabis?" Metastudie von Frau Dr. Nicole Krumdiek (als Download unten verfügbar). Jeder, der schon mal gekifft hat, weiß: ist der THC-Gehalt hoch, portioniert man geringer - nicht höher. Außerdem raucht man dann allgemein weniger. Man wird ja immer breiter. Man orientiert sich also – wie beim Alkohol - an der Konsumeinheit. Also ein "Kurzer", wie ein Jägermeister, hat eine hohe Prozentzahl an Alkohol und ein entsprechend kleines Trinkgefäß.

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